Kapitel 1 · Grundlagen

Woraus ein guter Prompt besteht

Ein Prompt ist keine Suchanfrage, sondern ein Arbeitsauftrag. Je vollständiger der Auftrag, desto brauchbarer das Ergebnis. Sechs Bausteine reichen für fast jede Aufgabe.

Baustein 1: Rolle

Die Rolle legt Perspektive und Sprachniveau fest. Sie ist besonders wirksam, wenn ein Fachgebiet gemeint ist, das eine eigene Sprache hat.

Du bist Steuerfachangestellte und erklärst einem Handwerksbetrieb ohne Vorkenntnisse.

Nicht sinnvoll ist eine Rolle, die Fachwissen vortäuscht, das geprüft werden müsste – etwa „Du bist Rechtsanwalt". Das Modell wird dadurch nicht rechtssicher, sondern nur selbstbewusster im Ton.

Baustein 2: Aufgabe

Ein Verb, ein Objekt, ein messbares Ziel. Unklare Aufgaben („mach was Gutes daraus") erzeugen unklare Ergebnisse.

  • Unklar: „Verbessere diesen Text."
  • Klar: „Kürze diesen Text auf höchstens 120 Wörter, ohne die drei Preisangaben zu verändern."

Baustein 3: Kontext

Alles, was das Modell nicht wissen kann: Zielgruppe, Anlass, Vorgeschichte, interne Begriffe, bestehende Unterlagen. Kontext ist der Baustein mit der größten Wirkung – und der, der am häufigsten fehlt.

Kontext: Der Kunde hat vor drei Wochen ein Angebot über eine neue Firewall erhalten und bisher nicht reagiert. Er ist seit 2019 Kunde, zuletzt gab es eine Reklamation wegen einer verspäteten Lieferung.

Baustein 4: Format

Wie soll die Antwort aussehen? Länge, Struktur, Sprache, Anrede, Dateiformat. Ohne Vorgabe wählt das Modell selbst – meist zu lang und mit Einleitungsfloskeln.

Format: Stichpunktliste mit höchstens fünf Punkten, je Punkt maximal 15 Wörter. Keine Einleitung, kein Fazit. Sprache: Deutsch, Sie-Form.

Baustein 5: Beispiele

Ein einziges Beispiel für das gewünschte Ergebnis wirkt oft stärker als drei Absätze Beschreibung. Das gilt besonders für wiederkehrende Aufgaben mit fester Struktur.

Beispiel für die gewünschte Form: Betreff: Wartungsfenster am 14.03., 20–22 Uhr Guten Tag Herr Meyer, am Donnerstag, 14.03., aktualisieren wir zwischen 20 und 22 Uhr Ihren Server …

Baustein 6: Abgrenzung

Was das Modell ausdrücklich nicht tun soll. Das verhindert einen Großteil unbrauchbarer Antworten.

  • „Erfinde keine Zahlen. Wenn eine Angabe fehlt, schreibe [fehlt]."
  • „Verwende ausschließlich Informationen aus dem folgenden Text."
  • „Keine Emojis, keine Werbesprache, keine Superlative."

Alle sechs Bausteine zusammen

Rolle: Du bist Servicetechniker eines IT-Systemhauses. Aufgabe: Formuliere eine Antwort auf die untenstehende Kundenmail. Kontext: Der Kunde meldet, dass der Drucker im Büro seit heute nicht mehr erreichbar ist. Ein Vor-Ort-Termin ist frühestens übermorgen möglich, Fernwartung heute ab 15 Uhr. Format: E-Mail, Sie-Form, höchstens 120 Wörter, mit Betreffzeile. Beispielton: sachlich, lösungsorientiert, kein Bedauern in Floskelform. Abgrenzung: Keine Zusagen zu Kosten. Wenn Informationen fehlen, stelle höchstens eine Rückfrage. Kundenmail: "…"

Reihenfolge und Länge

Die Reihenfolge ist weitgehend frei, sollte aber innerhalb eines Unternehmens einheitlich sein – so lassen sich Prompts leichter wiederverwenden. Zu lange Prompts schaden nicht grundsätzlich, verwässern aber die Aufgabe, wenn sie Nebensächlichkeiten enthalten.

Faustregeln

  • Die Aufgabe steht am Anfang oder am Ende, nicht in der Mitte langer Textblöcke.
  • Lange Quelltexte gehören ans Ende, deutlich abgegrenzt (etwa in Anführungszeichen oder unter einer Überschrift).
  • Eine Anweisung pro Zeile ist besser lesbar und wird zuverlässiger befolgt als ein Fließtext.