Aufbau

Vom Rechenzentrum bis zum Prompt

Wie ein KI-System technisch aufgebaut ist – 16 Schichten von der Stromversorgung bis zur geprüften Antwort, ohne Vorkenntnisse verständlich.

Wenn jemand in einem Chatfenster eine Frage abschickt, läuft sie durch rund ein Dutzend Schichten – von der Stromversorgung eines Rechenzentrums bis zum einzelnen Wort, das zurückkommt. Diese Seite geht den Weg von unten nach oben.

Die Infrastruktur

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Rechenzentrum

Ganz unten steht ein Gebäude: Stromanschluss im zweistelligen Megawatt-Bereich, redundante Einspeisung, Notstromaggregate und eine Kühlung, die die Abwärme abführt. Der Standort entscheidet mit darüber, welchem Recht die Verarbeitung unterliegt – für Unternehmen in der EU der zentrale Punkt bei der Anbieterwahl.

  • Stromversorgung und Notstrom
  • Kühlung, zunehmend mit Flüssigkeit direkt am Chip
  • Physische Zutrittssicherung und Zertifizierungen
  • Standort = anwendbares Datenschutzrecht

Frage für Unternehmen: In welchem Land steht der Server?

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Rechenleistung: GPUs

KI-Modelle rechnen nicht auf normalen Prozessoren, sondern auf Grafikprozessoren, die viele gleichartige Rechenoperationen parallel ausführen. Für große Modelle arbeiten hunderte bis tausende dieser Karten zusammen – für das Training über Wochen, für den laufenden Betrieb in kleineren Gruppen.

  • Training: sehr rechenintensiv, einmalig pro Modellversion
  • Inferenz: jede einzelne Anfrage, dafür deutlich sparsamer
  • Der Speicher der Karte begrenzt, wie groß ein Modell sein darf

Deshalb kostet jede Anfrage Geld – auch bei Pauschaltarifen

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Netz und Speicher

Zwischen den Karten liegt ein sehr schnelles internes Netz, denn beim Rechnen müssen ständig Zwischenergebnisse ausgetauscht werden. Daneben stehen Speichersysteme für Trainingsdaten, Modellgewichte und Protokolle.

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Virtualisierung und Mandantentrennung

Auf derselben Hardware laufen viele Kunden gleichzeitig. Die Trennung erfolgt über Virtualisierung und Zugriffskonzepte. Wie sauber diese Trennung ist, gehört zu den Punkten, die man sich vertraglich zusichern lässt.

Stichwort: Auftragsverarbeitung


Das Modell

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Trainingsdaten

Grundlage jedes Sprachmodells sind sehr große Textmengen. Aus ihnen lernt das Modell statistische Zusammenhänge zwischen Wortteilen – nicht Fakten in Form einer Datenbank. Was nach dem Stichtag passiert ist, kennt das Modell nicht.

Daher: Wissensstichtag und Halluzinationen

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Training

Über viele Durchläufe passt das Modell Milliarden interner Parameter so an, dass es das jeweils nächste Textstück möglichst gut vorhersagt. Anschließend folgen Feinschliff-Phasen, in denen menschliche Rückmeldungen einfließen, damit Antworten hilfreicher und sicherer werden.

  • Vortraining: allgemeines Sprachverständnis
  • Feinabstimmung: Verhalten, Ton, Sicherheitsregeln
  • Fine-Tuning: optionale Anpassung an einen Anwendungsfall

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Das fertige Modell

Ergebnis ist eine große Datei mit den gelernten Zahlenwerten, den Modellgewichten. Bei offenen Modellen ist diese Datei frei verfügbar und kann auf eigener Hardware betrieben werden; bei proprietären Modellen bleibt sie beim Anbieter.

Offen vs. proprietär entscheidet über lokalen Betrieb


Der Weg einer Anfrage

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Prompt und Systemanweisung

Die Eingabe des Nutzers wird selten allein verarbeitet. Davor steht meist eine Systemanweisung, die Rolle, Grenzen und Ton festlegt, dazu kommen vorherige Nachrichten des Gesprächs und – falls eingerichtet – abgerufene Dokumente.

Was das Modell sieht, ist mehr als das Eingabefeld

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Tokenisierung

Der gesamte Text wird in Token zerlegt, also in Wortteile, und in Zahlen übersetzt. Danach rechnet das Modell nur noch mit Zahlen. Die Menge dieser Token bestimmt Kosten und Verarbeitungsdauer.

Abrechnung erfolgt fast immer pro Token

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Kontextfenster

Das Kontextfenster begrenzt, wie viele Token gleichzeitig berücksichtigt werden können. Ist es voll, fallen ältere Teile des Gesprächs heraus – ein häufiger Grund dafür, dass ein Chatbot Vorheriges „vergisst".

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Inferenz: die Antwort entsteht

Das Modell berechnet für das jeweils nächste Token Wahrscheinlichkeiten und wählt eines aus. Dieser Schritt wiederholt sich, bis die Antwort fertig ist – deshalb erscheint Text bei vielen Oberflächen Wort für Wort. Ein Zufallsanteil sorgt dafür, dass dieselbe Frage nicht immer identisch beantwortet wird.

Kein Nachschlagen, sondern Vorhersage

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Sicherheitsfilter

Vor und nach der Generierung greifen Filter, die problematische Inhalte abfangen und versuchen, manipulative Eingaben zu erkennen. Vollständig zuverlässig ist das nicht – Prompt Injection bleibt eine offene Baustelle der Branche.

Siehe Sicherheitsvorfälle


Die Anwendungsschicht

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API

Zwischen Modell und Anwendung liegt eine Programmierschnittstelle. Über sie schickt eine Software den Text hin und bekommt die Antwort zurück – abgesichert über einen geheimen Zugangsschlüssel, der wie ein Passwort zu behandeln ist.

Hier hängt jede Integration in eigene Systeme

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RAG: eigene Dokumente anbinden

Damit ein Modell auf firmeneigenes Wissen zugreifen kann, werden Dokumente in Abschnitte zerlegt, durchsuchbar abgelegt und bei jeder Anfrage passend dazugeladen. Das Modell selbst bleibt unverändert – nur sein Kontext wird angereichert.

Aktuelles Firmenwissen ohne Neutraining

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Agenten und Werkzeuge

Ein Agent nutzt dasselbe Modell, darf aber zusätzlich Werkzeuge aufrufen: Websuche, Datenbank, Kalender, E-Mail. Er arbeitet in Schleifen – planen, ausführen, Ergebnis bewerten, nächster Schritt. Größere Aufgaben werden auf Subagenten verteilt.

  • Jedes Werkzeug erweitert die Möglichkeiten – und die Angriffsfläche
  • Berechtigungen so eng wie möglich vergeben
  • Kritische Aktionen mit Freigabeschritt versehen

Hier entstehen die meisten Sicherheitsfragen

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Oberfläche und Mensch

Ganz oben steht die Anwendung, die jemand tatsächlich bedient: Chatfenster, Assistent im Textprogramm, Voicebot am Telefon. Und dahinter der Mensch, der das Ergebnis prüft, freigibt oder verwirft – die letzte und wichtigste Schicht.

Ohne Prüfschritt wird jede Schicht darunter zum Risiko


Was daraus für Unternehmen folgt

  • Standort zählt. Wo die Karten stehen, entscheidet über die rechtliche Bewertung der Verarbeitung.
  • Kosten entstehen pro Token. Lange Kontexte und viele Agentenschritte summieren sich schnell.
  • Das Modell weiß nichts über Ihr Unternehmen, solange es nicht über Kontext oder RAG mitgeliefert wird.
  • Berechtigungen sind die eigentliche Sicherheitsfrage, sobald Agenten Werkzeuge nutzen dürfen.
  • Die letzte Schicht bleibt menschlich. Alles darunter liefert Vorschläge, keine Entscheidungen.

Begriffe zum Nachschlagen finden sich im Glossar, konkrete Vorfälle unter Sicherheit.